Am 17. Oktober 2015 wurde in Bergheim-Hüchelhoven ein einzigartiges Kunstereignis eröffnet, das vielen Gästen bis heute in Erinnerung geblieben ist: Buddha trifft Jesus. Die Vernissage brachte nicht nur Kunst in einen neuen Kontext, sondern schuf eine Atmosphäre, in der Menschen sich begegneten, zur Ruhe kamen und gleichzeitig etwas sehr Lebendiges erlebten. Im Mittelpunkt standen 108 Buddha-Skulpturen der Künstlerin Eneida Pérez de Lücke.
Arbeiten, die ursprünglich Teil der Aktion „Floating Buddhas“ in Köln sein sollten. Dort hatten sich bereits über 2.200 Interessierte für das Projekt angemeldet, doch die geplante Umsetzung scheiterte an der fehlenden Genehmigung der Stadt. Was zunächst wie ein Ende wirkte, wurde in Bergheim zu einem Neuanfang.
Buddha trifft Jesus
Eneidas Buddhas sind besondere Objekte: handgefertigte Skulpturen, die je nach Ausführung im Wasser schwimmen können und teils sogar als Lichtobjekte oder Lampen funktionieren. Hinter dem Projekt steht jedoch nicht nur ein ästhetischer Ansatz, sondern eine klare Idee: Kunst als Einladung, innezuhalten und für einen Moment aus dem Alltag auszusteigen. Wer den Weg zur Vernissage fand, spürte schnell, dass es hier nicht um eine „klassische“ Ausstellung ging, in der man leise von Bild zu Bild wandert und nach zehn Minuten wieder verschwindet. Vielmehr war es ein offener Raum, in dem man ankommen durfte: mit Neugier, mit Fragen, mit einem Lächeln oder einfach mit dem Bedürfnis, einmal kurz durchzuatmen. Genau diese Mischung aus Zugänglichkeit und Tiefe machte den Reiz des Tages aus.
Die Zahl 108 ist dabei bewusst gewählt worden. Sie gilt als symbolträchtig und glücksverheißend und verweist auf die buddhistische Tradition. (Siehe auch dazu die weiterführenden Artikel weiter unten.)
Ohne dass man sich damit auskennen muss, wirkt diese Zahl schon durch ihre Dimension: 108 Objekte sind nicht ein paar Skulpturen, sondern eine visuelle Stellungnahme in einem weitläufigen Gelände. Sie erzeugen Neugier und den Drang, alle Figuren zu finden und ihre Wirkung zu spüren. Ein paar Besucher beschrieben später, dass sie sich beim Betrachten unwillkürlich verlangsamten. Manche gingen mehrfach dieselben Wege, entdeckten Buddhas, die ihnen beim ersten Rundgang entgangen waren, und bemerkten, wie sich die Wahrnehmung mit der Zeit verändert: erst neugierig, dann ruhiger, schließlich fast meditativ.
Wie die Buddhas nach Bergheim kamen
Dass die Vernissage in Bergheim stattfinden konnte, hatte einen sehr persönlichen Ausgangspunkt: Nach der Absage in Köln stand für mich schnell fest, dass dieses Projekt nicht einfach verschwinden darf. Gerade weil so viele Menschen Interesse gezeigt hatten, schien es mir wichtig, dem Ganzen eine Bühne zu geben.
Durch die Eröffnung meines Zentrums für inneres Wachstum im Mai 2015 standen großzügige Räume zur Verfügung, die sich ideal für eine Ausstellung dieser Größenordnung eigneten. 1.060 Quadratmeter bieten nicht nur Platz, sondern Möglichkeiten: verschiedene Blickachsen, ruhige Ecken, Bereiche für Gespräche und Zonen, in denen man die Kunst wirken lassen kann. Und genau diese Offenheit half, dass die Buddhas nicht „aufgereiht“ wirkten, sondern wie Teil einer bewusst gestalteten Umgebung.
108 Buddhas kommen nach Bergheim
Ein See oder Teich fehlte zwar. Aber gerade aus dieser Einschränkung entstand der unverwechselbare Titel der Veranstaltung. Da ich als Organisator den Vornamen Jesus trage, wurde aus Floating Buddhas kurzerhand Buddha trifft Jesus. Ein Name, der sofort Neugier weckte und zu Beginn zeigte: Diese Ausstellung wird anders!
Lassen wir Eneida Pérez de Lücke zu Wort kommen:
Mein Wunsch ist es, dass sich die Botschaft, dass wir alle im Kern miteinander verbunden sind, verbreitet und so viele Menschen wie möglich genau diese Erfahrung machen können. Vergangene Kunstaktionen mit schon ganz wenigen Buddha-Skulpturen haben bewirkt, dass sich die Menschen vor Ort für den Moment komplett in der Gegenwart und in ihren Gedanken befanden, den Alltag hinter sich ließen. Sie tauten auf, lachten, fotografierten die Skulpturen und teilten ihre Freude darüber mit anderen fremden Menschen. Die Grenzen zwischen Alter, Beruf, Herkunft und sozialem Status lösten sich auf. Zuerst waren es 5 Buddha-Skulpturen, dann 9 Buddhas, die so mehrere dutzende Menschen verbanden. Angetrieben von den faszinierenden und sehr anrührenden Reaktionen der Passanten, habe ich Mut gefasst, eine Dimension größer zu denken, sodass mit 108 Buddha-Skulpturen mehrere tausend Menschen erreicht werden könnten. 108 ist eine glücksverheißende Zahl und stellt dabei die 108 Bände der gesammelten Lehren Buddhas dar.
Pilgerreise für 108 Buddhas
Eine ganz eigene Geschichte war der Transport der Skulpturen:
Alle Buddhas mussten von Köln nach Bergheim gebracht werden und nach der Ausstellung wieder zurück. Statt eines großen Transporters wurden die Figuren in mehreren Fahrten mit dem Auto bewegt, sorgfältig geplant und behutsam gefahren.
Ich kann erzählen, jede Fahrt hatte etwas Besonderes, mit so vielen Buddhas unterwegs zu sein.
Wer einmal erlebt hat, wie aus einer Idee Schritt für Schritt eine größere Realität wird.
Am Tag der Vernissage wurden die letzten Buddhas sogar mit dem Fahrrad nach Bergheim gebracht. Es gab eine Fahrradtour von Köln nach Bergheim. Eneida Pérez de Lücke, ihr Mann und weitere Unterstützer, pilgerten mit dem Fahrrad in Begleitung der letzten Buddhas Richtung Ausstellung.
Viele Details, die perfekt zur Stimmung passten: unkompliziert, engagiert und etwas Besonderes.
Vernissage: Buddha trifft Jesus
Vor Ort entwickelte sich die Vernissage dann zu genau dem, was ein gelungenes Kunstprojekt ausmacht: nicht nur ein Anschauen, sondern ein Mit-Erleben. Die Gäste gingen auf Entdeckungsreise, fanden Buddhas in den Räumen und im Garten, verglichen Formen und Ausstrahlung der Figuren, rezitierten Mantras, zählten Skulpturen, meditierten, machten Fotos und kamen ins Gespräch. Miteinander, mit der Künstlerin und mir. Dabei entstand diese seltene Mischung aus Ruhe und Austausch: Menschen blieben stehen, lächelten, wurden neugierig, und es ergaben sich Gespräche, die in einem klassischen Ausstellungsrahmen oft gar nicht entstehen. Auch wer ohne Kunstvorwissen kam, fühlte sich nicht ausgeschlossen, sondern eingeladen.
Besonders wertvoll war der direkte Kontakt zu Eneida Pérez de Lücke. Viele Gäste nutzten die Gelegenheit, aus erster Hand zu hören, wie die Figuren entstehen, welche Gedanken in die Gestaltung fließen und wie aus einer Idee ein Projekt wird, das so viele Menschen berührt. Solche Gespräche verändern die Wahrnehmung: Aus schönen Skulpturen werden plötzlich Botschafter einer Haltung und aus Besuchern werden Beteiligte. Man merkte, dass die Vernissage nicht nur Kunst zeigte, sondern Beziehung stiftete: zwischen Menschen, zwischen Kunst und Raum, zwischen Alltag und einem Moment innerer Sammlung.
Auch die Gestaltung des Tages trug dazu bei, dass die Stimmung so positiv war. Es gab Raum zum Schauen und Raum zum Sprechen, kleine Pausen mit Häppchen und Getränken, aber ohne dass daraus ein reines Event wurde. Vielmehr hatte man das Gefühl, Teil eines lebendigen, respektvollen Miteinanders zu sein. Einige Besucher blieben deutlich länger als geplant, weil sie sich festlasen in Gesprächen, weil sie wieder und wieder durch die Räume gingen oder weil sie einfach spürten: Hier muss man nicht hetzen. Gerade diese Entschleunigung war für viele das eigentliche Geschenk.
Die Buddhas standen auch zum Verkauf. Und so fanden einige Buddhas neue Besitzer und machten sich auf ihre eigene Reise zu anderen Orten.
Rückblickend war „Buddha trifft Jesus“ in Bergheim mehr als eine Vernissage. Es war ein Tag, an dem aus einer abgesagten Idee ein neues Ereignis wurde und an dem Kunst genau das tat, was sie im
besten Fall kann:
Sie öffnete Räume und brachte Menschen zusammen.
Vergänglichkeit
Buddhistische Mönche erstellen Sandmandalas als eine Form der tiefen Meditation, die das Universum oder das Reich einer Gottheit darstellen. Indem sie farbigen Sand mit speziellen Metallröhrchen auf eine Holzplatte streuen, was zu komplexen geometrischen Mustern führt, die Weisheit und Mitgefühl fördern. Aber auch die Vergänglichkeit symbolisieren, da die Kunstwerke nach Fertigstellung rituell zerstört und der Sand ins Wasser gegeben wird, um den Segen zu verbreiten.
Und so fand auch die Vernissage ihren Abschluss. Nicht mit einem Ende, sondern mit dem Gedanken, dass das Erlebte weitergetragen wird. Das Projekt war eine einmalige Möglichkeit in Bergheim-Hüchelhoven. So etwas hatte es davor nicht gegeben und wird es in dieser Form auch kein zweites Mal geben.

















Kommentar schreiben
Christa aus Köln (Sonntag, 28 Juni 2020 14:00)
Lieber Jesus,
leider habe ich das Kunstprojekt damals nicht miterlebt. Schade! Es hört sich sehr berührend an und hatte sicherlich einige Menschen positiv inspiriert. Mich hätte mal interessiert, warum die Stadt Köln als "weltoffene und tolerante Stadt" damals eine Absage erteilt hatte.
Vielen Dank auch für die ausführlicheVermittlung von Wissen zum Thema Buddhismus. Es war für mich interessant zu lesen und so auch Neues zu erfahren.
Danke!
Jesus Lopez (Sonntag, 28 Juni 2020 18:34)
Liebe Christa!
Die Künstlerin "Eneida Pérez de Lücke", räumte ein, dass sie nicht auf alle verwaltungstechnische Verfahren, vorbereitet war. Genaueres ist über die Verlinkung "Genehmigung verweigert" zu finden.
Vielen Dank!