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The Healer Jesus Lopez Nr. 32

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Comiccover, The Healer Jesus Lopez, Nr. 31, der Preis der Heilung
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Alle Ausgaben sind hier zu finden: The Healer Jesus Lopez

Jede Ausgabe erzählt eine andere Grenzerfahrung, 

doch im Zentrum steht immer der Mensch und die Frage nach Heilung.



The Healer Jesus Lopez, Nr. 32

Der Preis der Heilung

Die Tür fiel ins Schloss. Und wieder verließ ein zufriedener Klient die Praxis des Geistheilers Jesus Lopez. Er blieb noch einen Augenblick stehen und atmete tief durch. Jetzt war es Zeit, sich eine kleine Auszeit zu nehmen. In aller Ruhe und Stille bereitete er sich einen Kaffee zu und ging hinaus in den Garten. Er setzte sich entspannt hin und nahm einen bewussten Atemzug, bevor er den ersten Schluck trank.

 

An diesem Tag hatten sich einige Notfälle und Stammkunden zusätzlich in den Terminplan eingefügt, sodass kaum Pausen möglich gewesen waren. In seiner über zwanzigjährigen Laufbahn als Geistheiler hatte er gelernt, sich die Pausen bewusst zu nehmen und Auszeiten nicht aufzuschieben. Passend zum Thema: der letzte Klient.

 

Er war Feuerwehrmann. Die Sirenen waren nach der Arbeit längst verstummt, doch in ihm, und in seinem Umfeld, heulte es weiter. Er war schon ein paar Mal dagewesen, und jede Einzelsitzung war intensiv gewesen.

 

Bei der ersten Sitzung hatte er noch gesagt: „Ich benötige Energie. Im Einsatz funktioniere ich“, fuhr der Feuerwehrmann fort. „Da weiß ich, was zu tun ist. Aber privat …“ Er rieb sich über den Nacken. Jesus sagte nichts. Er wartete. „In der Familie ist gerade viel los. Besonders mein Bruder … Alkohol … immer wieder Rückfälle.“
„Und Sie?“, fragte Jesus.
„Ich fange ihn auf.“

 

Sein jüngerer Bruder kämpfte seit Jahren mit der Alkoholsucht. Es gab Rückfälle. Und Versprechen. Viele Versprechen. Eine stabile Beziehung mit einer Frau hatte er nie führen können.

Und jedes Mal war es der Feuerwehrmann, der nachts ans Telefon ging:

„Holst du mich ab?“
„Kannst du kurz kommen?“
„Nur dieses eine Mal.“

Er sagte nie nein.

„Wenn ich ihn nicht rette, wer dann? Ich kann doch nicht zusehen, wie er abstürzt. Ich bin doch sein Bruder.“

 

„Und was passiert, wenn Sie es nicht tun?“

Der Blick des Feuerwehrmanns wurde hart.
„Dann brennt es.“

„Wo?“

„Überall.“

Jesus beugte sich leicht nach vorn.

 

„Was passiert, wenn Sie Ihren Bruder nicht abholen?“, wiederholte er ruhig.

„Dann fährt er vielleicht betrunken. Dann passiert etwas. Dann …“
Er atmete schwer aus.
„Dann hätte ich es verhindern können.“

 

Da war sie: die Kontrollillusion.

Er war trainiert, Leben zu retten. Doch es gehörte nicht dazu, die Verantwortung eines erwachsenen Mannes zu tragen. Im Einsatz funktionierte er präzise: Lage einschätzen. Entscheidungen treffen. Handeln.

Doch sein Problem begann nicht im Feuer. Es begann in der Familie.

 

Feuerwehrleute sind keine gewöhnlichen Klienten. Sie kommen nicht, weil sie schwach sind. Sie kommen, wenn sie lange versucht haben, alles selbst zu regeln. Jesus wusste, dass es diesen Mann Überwindung gekostet hatte, hier zu sitzen. Ein Feuerwehrmann spricht lieber über Einsätze als über innere Erschöpfung.

 

Die erste Sitzung war entscheidend. Nicht, um zu überzeugen, sondern um Haltung zu zeigen.

 

Wenn er zu weich sprach, würde der Mann innerlich dichtmachen. Wenn er ihn belehrte, wäre er verloren. Respekt begegnet man mit Standfestigkeit und innerer Stärke.

 

„Sie gehen beruflich ins Feuer“, sagte Jesus ruhig. „Aber privat tragen Sie die Glut anderer Menschen mit sich herum.“

Der Feuerwehrmann schwieg.

„Sie sind nicht erschöpft vom Retten“, fuhr Jesus fort. „Sie sind erschöpft vom Nicht-Loslassen.“

Der Satz traf. Zum ersten Mal sanken seine Schultern leicht ab.

„Ich dachte immer, Stärke heißt, alles auszuhalten und für alle da zu sein.“

Jesus hielt seinen Blick. „Nein“, sagte er ruhig.
„Stärke heißt, zu wissen, welches Feuer Ihres ist – und welches nicht.“

Der Feuerwehrmann schnaubte leise. Ein kurzes, ehrliches Lächeln huschte über sein Gesicht.

 

Im selben Moment begann seine Nase zu bluten.

Jesus blieb ruhig und reichte ihm ein Taschentuch. „Sie bluten.“

Er blinzelte irritiert. „Entschuldigen Sie. Dieser Energieverlust lässt mich in letzter Zeit aus der Nase bluten.“

„Das ist kein Energieverlust“, sagte Jesus ruhig. „Das ist Überdruck.“

Der Feuerwehrmann presste das Tuch an die Nase. „Ja, ich … versuche alles festzuhalten.“

„Genau“, sagte Jesus. „Und Ihr Körper zeigt Ihnen, dass es zu viel ist.“

Er reichte ihm einen kleinen Mülleimer und ließ ihm Zeit. Der Atem des Mannes wurde langsamer.

„Was soll ich tun?“

„Wenn Sie mich so direkt fragen: Hören Sie auf, Feuerwehr für fremde Entscheidungen zu spielen.“

Ein langer Blick, während er ein Stück vom Taschentuch in die Nase stopfte. „Und wenn er fällt?“

„Dann fällt er“, sagte Jesus ruhig. „Und vielleicht steht er dann von allein auf.“

Der Feuerwehrmann saß still und ließ die Worte in sich wirken.

 

Wegen des Daueralarms in seinem Inneren war es Zeit, Druck abzubauen. Jesus ging auf seinen Wunsch ein und legte ihm auf der Liege die Hände auf. Er spürte den inneren Druck und zugleich die Erschöpfung. Es war nicht völlige Leere. Es war emotionale Überlastung. Trotz innerer Anspannung gelang es ihm, den Klienten in einen ruhigeren Zustand zu führen. Nach der ersten Sitzung wirkte er klarer.

 

Es folgten zwei weitere energetische Behandlungen. Neben der energetischen Arbeit waren die Gespräche entscheidend. Dabei wurde deutlich, dass der Feuerwehrmann mehr Ressourcen hatte, als zunächst sichtbar gewesen war. Seine Frau war eine gute Zuhörerin. Er betrieb regelmäßig Sport. Seine Werte gaben ihm Halt. Und er interessierte sich für Spiritualität, weshalb er überhaupt den Weg hierher gefunden hatte. Er war nicht ausgebrannt. Aber emotional am Limit.

Emotionale Erschöpfung

Jesus saß im Garten und spürte die Sonne auf seiner Haut. Er nahm einen weiteren Schluck Kaffee, während seine Gedanken sich vertieften: Emotionale Erschöpfung entsteht, wenn die eigenen emotionalen Ressourcen über längere Zeit hinweg aufgebraucht werden. Besonders dann, wenn man dauerhaft Sorge für einen geliebten Menschen trägt. Sorge ist an sich nichts Negatives. Sie zeugt von Mitgefühl und Verbundenheit. Doch wenn sie ununterbrochen anhält, wird sie zur Belastung.

 

Man fühlt sich verantwortlich, alles richtig zu machen. Man glaubt, ständig verfügbar sein zu müssen. Das Grübeln über mögliche Rückschläge verbraucht enorme mentale Energie. Anders als körperliche Erschöpfung, die meist mit Ruhe und Schlaf schnell behoben werden kann, ist emotionale Erschöpfung tiefgreifender und kann zu einem Verlust an Motivation, Empathie und Lebensfreude führen.

 

Auch viele Heiler sind dieser Gefahr ausgesetzt. In der Heilerszene spricht man viel über Energie. Über Schutz. Aber kaum jemand spricht über emotionale Erschöpfung. Es ist ein Irrtum zu glauben, Klienten würden Energie aussaugen oder dass die eigene Lebensenergie verbraucht wird. Wer sich aber täglich mit Leid, Trauma und schweren Lebensgeschichten arbeitet, zahlt emotional einen Preis. Empathie ist kein unbegrenzter Muskel. Wenn der Empathiemuskel nicht regeneriert, ermüdet er.  Viele Heiler merken es spät. Nicht, weil sie unfähig sind. Sondern weil sie helfen wollen. Mitgefühl ist ihre Stärke. Doch Mitgefühl ohne Abgrenzung wird zur Selbstüberforderung. Emotionale Erschöpfung zeigt sich leise: kürzere Geduld, innere Gereiztheit, das Gefühl, leerer zu werden, und der Wunsch nach Rückzug.

 

Viele Menschen, die sich um Angehörige kümmern, isolieren sich unbewusst von Freunden und sozialen Kontakten. Dies kann zu Einsamkeit führen und die emotionale Belastung weiter verstärken. Der Rückzug aus dem sozialen Leben kann aber auch bedeuten, dass man die nötige Regenerationszeit für sich nutzt. Der Grad der Eigenunterscheidung ist aber schmal. Und so manifestieren sie sich allmählich in körperlicher, geistiger und seelischer Müdigkeit.

 

Sogar traumaähnliche Symptome können entstehen. Das Nervensystem reagiert dabei nicht nur auf eigene Erlebnisse, sondern auch auf stark emotional geladene Geschichten. Wer täglich zuhört, wirklich zuhört, hört nicht nur Worte. Er hört Angst. Scham. Trauma. Verzweiflung. Und Heiler spüren die Schwingungen oder sehen die Bilder. Das Stresssystem (Amygdala) wird aktiviert und der Körper schüttet Stresshormone aus. Das Gehirn speichert Bilder und Emotionen ab, und so kann das System so reagieren, als wäre man selbst betroffen.

 

Deshalb war diese Pause nach der Sitzung so wichtig. Jesus hatte gelernt, sich bewusst die Zeit zur Regeneration zu nehmen, nicht nur für seine Klienten, sondern auch für sich selbst. Mit zunehmendem Alter waren diese Regenerationszeiten länger geworden. Viele wissen nicht, wie viele Lebensgeschichten ein Heiler täglich trägt. Regeneration ist keine Schwäche. Sie ist Professionalität. Pausen sind Pflicht. Ein Heiler, der sich nicht reguliert, arbeitet eines Tages aus einem Mangel heraus. Jesus wusste das. Deshalb saß er jetzt hier. Mit Kaffee in der Hand. Bewusst atmend. Nicht, weil er erschöpft war. Sondern weil er es nicht werden wollte.

 

Aktive Erholungs- und bewusste Wellnesszeiten, sind vor und nach einem Geistheilungstag besonders wichtig. Bei Geistheilungstagen mit zwanzig bis fünfzig Menschen ist es eine enorme Aufgabe, die Energie im Raum stabil zu halten. Dies ist der Großteil der Heiler nicht möglich.

 

Jesus musste schmunzeln, als er an seine Auslandsreisen dachte und den nächsten Schluck zu sich nahm. Im Ausland arbeitete er mit Übersetzern. Zweimal waren Übersetzer von der Intensität der Sitzungen so überwältigt gewesen, dass eine Pause eingelegt oder Ersatz organisiert werden musste.

 

Er stellte die Tasse ab und die Traurigkeit kam zum Vorschein. Dennoch musste er traurigerweise Entscheidungen treffen und Verantwortung übernehmen. Die Anfragen nach Einzelsitzungen waren zahlreicher und tiefgreifender geworden und er konnte das Pensum so nicht mehr halten. Manche Entscheidungen benötigten Reifezeit und es ergab sich, dass er mehrere große Projekte fallen ließ. (Siehe dazu: Wenn sich Wege neu formen.)

 

Tiefgreifend und emotional war auch die heutige Sitzung mit dem Feuerwehrmann, die er in den nächsten Tagen noch zu verarbeiten hatte. Die ersten Sitzungen waren lediglich die Vorbereitung auf das, was heute geschehen durfte. Schon bei der allerersten Einzelsitzung hatte er gespürt, dass es ein ungesprochenes Geheimnis gab. Heute war nicht nur ein Safe geöffnet worden. Heute war eine Wahrheit ans Licht gekommen, die niemand mehr zurückschieben konnte, und die lebensverändernde Prozesse auslösen würde.

 

Fortsetzung in der Comicausgabe Nummer 33 von The Healer Jesus Lopez.


Geistheiler Jesus Lopez, Comicgesicht, rund

Sich um andere zu kümmern ist ein Akt der Liebe, doch sich um sich selbst zu kümmern ist ein Akt der Weisheit. Denn wer ständig das Licht für andere hält, muss darauf achten, dass die eigene Flamme nicht erlischt. Liebe bedeutet nicht, sich selbst zu verlieren, sondern auch in der Fürsorge die eigenen Grenzen zu achten, damit das eigene Herz kraftvoll genug bleibt, um weiter Wärme schenken zu können.

Jesus Lopez


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Nr. 32: Der Preis der Heilung
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No. 32: The Price Of Healing
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No. 32: El precio de la curación
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Kommentare: 6
  • #1

    Monika (Montag, 02 März 2026 10:47)

    Lieber Jesus, vielen lieben Dank für die schöne Geschichte. Ich konnte mich in den Feuerwehrmann versetzen, aber ich weiß auch wie wichtig ist an eigenen Grenzen zu arbeiten. Nur wenn man selber stark ist, kann man für andere stark sein. Liebe Grüße. �❤️

  • #2

    Jesus Lopez (Montag, 02 März 2026 11:23)

    Liebe Monika,

    vielen lieben Dank für dein Feedback.

    Ja, die Leser sollen sich im Feuerwehrmann wiedererkennen. Grenzen zu setzen ist ein ganz wichtiger Punkt. Das wird unter anderem in der nächsten Ausgabe thematisiert, ebenso wie das Thema Stärke.

    Jetzt heißt es, sich in dieser schnelllebigen Zeit einen Monat zu gedulden.

    Liebe Grüße an alle und bis bald!

    Jesus

  • #3

    RA (Montag, 02 März 2026 20:54)

    �Dankeschön, Herzensmenschen�

  • #4

    Andy L. (Mittwoch, 04 März 2026 14:18)

    Ja, gerade in den Berufen, wo man mit dem Leid anderer Menschen zu tun hat, ist es ganz wichtig, sich abzugrenzen und Selbstfürsorge zu betreiben, um nicht in ein Sekundärtrauma zu geraten. Wichtiges Thema. Danke dafür

  • #5

    Ina (Mittwoch, 04 März 2026 16:05)

    Lieber Jesus,
    vielen Dank für die Erinnerung daran, gut auf mich aufzupassen und Wellnesszeiten einzuplanen. Ich hoffe, dass mir das jetzt leichter fällt.
    Liebe Grüße �

  • #6

    Jesus Lopez (Sonntag, 08 März 2026 11:42)

    Liebe Ina, lieber Andy,

    vielen Dank für eure Gedanken und eure Rückmeldungen.

    Andy, du hast völlig recht! In vielen sozialen und therapeutischen Berufen ist das Thema Abgrenzung und Selbstfürsorge inzwischen viel stärker im Bewusstsein angekommen. In der Heilerszene hingegen ist dieses Thema weiterhin nicht überall so deutlich im Fokus, obwohl es gerade dort essenziell ist. Deshalb war es mir ein Anliegen, darauf aufmerksam zu machen.

    Und Ina, es freut mich, wenn dich der Artikel daran erinnert hat, dir bewusst Zeiten für dich selbst zu nehmen. Besonders nach der Messe in Gelsenkirchen.

    Herzliche Grüße

    Jesus