· 

Ressentiment: Wenn der Groll die Seele vergiftet

Home » Blog » Geistheilung » Ressentiment: Wenn der Groll die Seele vergiftet | Autor: Jesus Lopez | (ohne Werbung)

Wenn Menschen zu mir in die Praxis kommen, berichten einige von einem diffusen Gefühl von Bitterkeit. Sie sagen: „Ich kann das einfach nicht loslassen“ oder „Wenn ich an die Situation denke, werde ich immer noch wütend.“
Was sie beschreiben, ist oft ein Ressentiment. Eine emotionale Verfassung, die tiefgreifender ist als kurzfristige Wut und deren Auswirkungen oft unterschätzt werden.

 

Ressentiment ist nicht einfach Ärger. Es ist die wiederholte, innerliche Reaktion auf eine als ungerecht empfundene Behandlung. Psychologisch betrachtet ist es eine Form von emotionaler Bindung an eine alte Verletzung. Eine Bindung, die das Gegenteil von dem bewirkt, was viele Menschen eigentlich anstreben: innere Freiheit.

Was ist Ressentiment genau?

Ressentiment entsteht, wenn drei Faktoren zusammenkommen:

  1. Eine wahrgenommene Ungerechtigkeit: Etwas ist geschehen, das als unfair oder missinterpretiert wird.
  2. Ein Machtdefizit: Die Person konnte oder wagte es nicht, in dem Moment Widerstand zu leisten oder ihre Position zu vertreten.
  3. Wiederholtes innerliches Zurückgehen: Die Situation wird immer wieder abgespielt und das Gefühl damit immer neu gefüttert.

Der Psychologe Akhtar Hussain beschreibt Ressentiment als eine Sucht nach bitterer Gerechtigkeit. Das ist treffend: Ressentiment gibt einem das Gefühl, recht zu haben, während die andere Person unrecht hat. Es bestätigt das Narrativ, dass die Welt einen ungerecht behandelt hat. Dadurch wird es psychologisch »befriedigend«, und genau deshalb ist es so schwer, loszulassen.

Die psychologische Funktion von Ressentiment

Ressentiment hat, wie alle Gefühle, eine Funktion. Es ist nicht nur zerstörerisch, es schützt auch:

Es signalisiert Ungleichgewicht.
Ressentiment sagt uns: „Hier stimmt etwas nicht. Deine Grenzen wurden verletzt. Deine Bedürfnisse wurden ignoriert." In diesem Sinne ist es eine wichtige Botschaft.

Es bewahrt unsere Identität.
Ressentiment ermöglicht es uns zu sagen: „Ich bin nicht derjenige, der schuld ist. Die andere Person ist schuld."
Das gibt uns einen festen Standpunkt in einer verunsichernden Situation.

 

Es schafft eine Form von Kontrolle.

Wenn wir nicht handelnd eingreifen konnten, können wir zumindest immer wieder über die Situation nachdenken und uns innerlich wehren. Das ist eine Art, Macht zurückzugewinnen. Eine Illusion von Kontrolle.

 

Das Problem: Diese Funktionen helfen uns kurzfristig, aber sie blockieren langfristige emotionale Heilung. Ressentiment ist wie ein festgeklebter Verband. Anfangs schützt er die Wunde, aber wenn man ihn nicht abholt, wird alles darunter infiziert.

Wie Ressentiment im Körper wirkt

Psychologie und Körper sind nicht voneinander getrennt. Wer Ressentiment in sich trägt, drückt das physisch aus:

  • Verspannungen
    Besonders im Nacken, den Schultern und dem Kiefer. Weil der Ärger herunterschluckt wird.
  • Chronischer Stress
    Der Körper bleibt in einem Modus von »etwas ist falsch, ich bin gefährdet«.
  • Schwächeres Immunsystem
    Chronischer emotionaler Stress überbelastet das System.
  • Schlafstörungen
    Nachts werden die Szenen abgespielt, sich innerlich beschwert und es kann nicht abgeschaltet werden.
  • Energiemangel
    Die ständige innere Aktivität des Grolls erschöpft.

Was in meiner Praxis immer wieder sichtbar wird: Menschen mit Ressentiment haben oft keine akute Krankheit, aber ihre Lebensenergie ist gedimmt. Sie sind müde, obwohl sie ausreichend schlafen. Ihre Vitalität ist gehemmt, weil ein großer Teil der emotionalen Ressourcen in die Aufrechterhaltung des Grolls fließt.

Die Illusion der Gerechtigkeit

Ein zentraler Punkt bei Ressentiment ist das Festhalten an der Erwartung von Gerechtigkeit. Wenn gesagt wird »Das ist ungerecht«, liegt oft eine bestimmte Erwartung darin: Die andere Person sollte leiden, sich schämen, sich entschuldigen, bestraft werden. Man wartet darauf, dass das Universum oder die Welt diese Ungerechtigkeit ausgleicht. Das ist psychologisch problematisch, weil:

  • Es meistens nicht geschieht.
    Die andere Person bekommt möglicherweise nie die verdiente Bestrafung. Sie lebt ihr Leben weiter, während man selbst leidet.
  • Es in einer Position der Abhängigkeit hält.
    Man wartet auf etwas, das außerhalb der eigenen Kontrolle liegt. Die innere Freiheit ist daran gekoppelt, dass andere etwas tun, das sie wahrscheinlich nicht machen werden.
  • Es ist ein Fehlverständnis von Gerechtigkeit.
    Psychologisch gesehen ist Gerechtigkeit nicht etwas, das die Welt einem schuldet. Gerechtigkeit ist etwas, das durch die eigene innere Haltung hergestellt wird. Indem die Grenzen anerkannt werden, die Verletzung geehrt und beschlossen wird, vorwärtszugehen.

Genau hier beginne ich an der Illusion der Gerechtigkeit zu arbeiten. Nicht indem ich die Hände auflege, sondern indem ich eine Technik zur Hand gebe, die zu Hause vertieft werden kann und zu tieferen Erkenntnissen führt. Hier direkt mit Vergebungsübungen anzufangen, ist der falsche Weg.

Missverständnis: Ressentiment und Vergebung

Menschen mit lebensbeeinträchtigendem Ressentiment sagen zu mir:

„Wenn ich verzeihe, bedeutet das, dass das, was diese Person getan hat, okay ist.“

Es ist in ihrer Realität verankert. Und das ist der Grund, warum so viele Menschen in Ressentiment stecken bleiben.

 

Aber Vergebung bedeutet nicht Billigung. Es bedeutet, dass gesagt wird: Das, was vorgefallen ist, war falsch. Aber ich werde nicht mein Leben daran aufhängen, dass es nicht geschehen ist.

 

Vergebung ist kein moralischer Akt der Nächstenliebe. Es ist ein psychologischer Akt der Selbstliebe. Wenn man verzeiht, befreit man sich selbst, nicht die andere Person. Die andere Person merkt nicht mal, dass man ihr verziehen hat, oder hat sich solche Gedanken darüber gemacht.

 

Es ist aber ein Missverständnis, bei der Vergebung mit Logik dranzugehen. Das blockierte System durch das Ressentiment benötigt seine Zeit und neue Vernetzungen, nach den ersten Schritten, bis eine langfristige Vergebung möglich ist.

Körperorientierte Arbeit mit Ressentiment

In meiner Arbeit mit Menschen, die Ressentiment tragen, stelle ich fest: Der Körper weiß oft vor dem Verstand, wo der Groll sitzt. Der Körper spannt sich an und will beschützen. 

 

 

 

Die Heilung beginnt damit, dem Körper zu signalisieren, dass diese Schutzreaktion nicht mehr nötig ist. Durch Geistheilung, Akupressur und die energetische Bauchmassage, helfe ich dem Körper zu erkennen: Das ist vorbei. Die Schutzreaktion wird nicht mehr benötigt. Der Körper soll nicht »denken«, sich besser zu fühlen, sondern sich erlauben, sich wieder sicher zu fühlen. 

 

Körperarbeit und Massagen bei anderen Anbietern, ergänzen die Fortschritte.

 

Worunter man bei Ressentiment leidet

Wenn Ressentiment getragen wird, können folgende innere Prozesse nicht vollzogen werden und der Mensch leidet darunter:

  • Vertrauen
    Ressentiment ist das Gegenteil von Vertrauen: in andere Menschen, in das Leben, in die Zukunft.
    Wenn man grollt, glaubt man, dass das Leben unfair ist und man verletzt wird.
  • Intimität.
    Menschen mit Ressentiment können nicht wirklich nahbar sein. Ein Teil von ihnen bleibt verhärtet und verschlossen. Echte Nähe erfordert Verletzlichkeit, und Ressentiment ist die Verteidigung gegen Verletzlichkeit.
  • Schöpferisches Denken.
    Chronischer Groll nimmt die mentale Energie in Anspruch. Man kann nicht kreativ sein, nicht innovativ denken, nicht das volle Potenzial ausschöpfen, weil ein Teil der Aufmerksamkeit ständig bei der alten Verletzung ist.
  • Gegenwärtigkeit.
    Ressentiment lebt in der Vergangenheit. Es verhindert, dass man wirklich im Hier und Jetzt präsent ist.

Und deshalb sind Mitgefühl und Verständnis in einer persönlichen Einzelsitzung so wichtig. Im Alltag ist das Gegenteil der Fall. Ressentiment ist keine moralische Schwäche. Es ist eine psychologische Bewältigungsstrategie, die eines Tages nicht mehr funktioniert. Sie hat geschützt, aber inzwischen hält sie gefangen. Die Heilung liegt nicht darin, besser zu denken. Sie liegt darin, dem Körper und der Seele zu zeigen: Die Sicherheit ist wiederhergestellt. Diese alte Verletzung kann losgelassen werden. Die Energie gehört nicht dieser alten Geschichte, sondern dem eigenen Leben. Das erfordert Mut. Aber der Preis für das Festhalten ist höher.


Über den Blogautor und Geistheiler

Geistheiler Jesus Lopez leuchtet sitzend im Park

Der Geistheiler Jesus Lopez folgt seiner Berufung als Geistheiler seit über 20 Jahren. Seine Methoden zielen darauf ab, Blockaden zu lösen und die Selbstheilungskräfte durch Energiearbeit zu aktivieren, in Kombination mit verschiedenen Techniken und einem psychologischen Grundgerüst.

 

In seinem Blog mit 353 Blogartikeln, informiert er regelmäßig über die Hintergründe der Geistheilung. Hauptberuflich arbeitet er in seiner Praxis in Bergheim und bietet dort Einzelsitzungen an. Die Geistheilungstage finden regelmäßig in Köln statt. 

 

Mehr über: Jesus Lopez | Rezensionen | Einzelsitzungen | Geistheilungstage


Weitere Blogartikel

BLOG, Geistheiler Jesus Lopez


Kommentar schreiben

Kommentare: 0