The Healer Jesus Lopez, Nummer 28
Ein Heiler auf Reisen
Statt einer Pilgerreise nach Santiago de Compostela hatte sich der Geistheiler Jesus Lopez für ein dreimonatiges berufliches Abenteuer entschieden. Seine Praxis verlagerte er auf die Schienen der Deutschen Bahn.
Mit der Probe BahnCard 100, 1. Klasse, verfolgte er das Ziel, drei Monate durch Deutschland zu reisen und seine Heilungsdienste bei Kunden anzubieten. Während er in der DB-Lounge in Berlin einen Kaffee trank, erhielt er auf seinem Laptop die nächste Anfrage für eine Heilsitzung. Er hatte im Vorfeld damit geworben, als reisender Heiler durch Deutschland zu fahren, und die Kundenanfragen erhielt er meistens per E-Mail. Seine Klienten buchten ihn im Voraus und er reiste mit dem ICE zu ihnen, ob in die Alpen, an die Ostsee oder in die Großstädte.
In seiner Praxis gab es immer wieder Anfragen nach Fernheilungen, weil der Weg zu weit oder zu mühsam war.
Mit der Bahnfahrt war dieses Hindernis beseitigt. Passend zum Spruch:
Wenn der Prophet nicht zum Berg kommt, muss der Berg zum Propheten kommen.
Doch ironischerweise meldeten sich ausgerechnet jene nicht, die eine Fernheilung haben wollten. Sein Vorhaben jedoch hatte einen anderen Ursprung: Diese Reise war sein Abenteuer. Für sich selbst
brach er auf, voller Vorfreude auf das Unerwartete, das jeder Tag bringen würde.
Die DB-Lounge – ein exklusiver Wartebereich mit kostenlosem Essen, Getränken und Arbeitsplätzen – war mit seiner Probe BahnCard 100, 1. Klasse zugänglich und wurde sein mobiles Büro. Hier hatte er hinreichend Platz zum Arbeiten und kostenloses Internet. Er musste also nicht nur in der Bahn sitzen. Neben diesen Terminen nutzte er die Zeit für Ausflüge, zum Beispiel zu Kraftorten wie den Externsteinen. Wenn er einen Ort mit der Bahn nicht direkt erreichen konnte, nahm er ein Taxi oder einen Bus.
Außerdem nutzte er die Bahnreisen für kreative Ideen. Statt eines vergänglichen Sandmandalas entwickelte er Meditationen, inspiriert von Blockbustern, etwa zu Inception, die später fester Teil seiner Heilerausbildung wurde, oder zwei tiefgreifende Meditationen zu Game of Thrones, geboren aus dem Rhythmus der Schienen.
Die Meditationen zu Game of Thrones waren von vornherein nicht für die Ewigkeit gedacht. Nachdem er sie einmalig bei einem Geistheilungstag vorgetragen hatte, überließ er sie der Vergänglichkeit wie Blätter im Herbstwind. Eine Stellungnahme gegen die kommerzielle Achtsamkeitsindustrie: Kunst und Meditation im Augenblick der Vergänglichkeit.
Sein Leben passte in einen 40-Liter-Rucksack: zwei Hosen, vier Polo-Shirts, eine Reisedecke, Kopfhörer, Schlafmaske, Laptop, Handy, Ladekabel und Waschzeug. Fehlendes oder Kaputtes ersetzte er in Bahnhofsgeschäften. Da Züge keine Duschen bieten, half oft nur eine Katzenwäsche. Doch meist duschte er in Schwimmbädern. Dafür hatte er eine Liste mit Bädern in Bahnhofsnähe quer durch Deutschland vorgeplant.
Das Beschwerlichste an diesem Abenteuer waren die Nächte. Er entschied sich bewusst, bei Nachtfahrten im ICE zu schlafen, etwa von Hamburg nach München. Er hatte den bewussten Entschluss zum einfachen Leben getroffen: Statt Bequemlichkeit wollte er eine Abenteuerreise erleben und neue Grenzen überschreiten. »Es wäre kein Abenteuer, wenn es leicht wäre und jeder es machen könnte«, sagte sich Jesus Lopez.
Doch mit wachsender Bekanntheit stiegen nicht nur die Anfragen nach Heilsitzungen, sondern auch Einladungen von Klienten und Heilerkollegen, bei ihnen zu übernachten. Eine ironische Wende: wie ein Pilger, dem plötzlich Schlösser angeboten werden. Sollte er die Gastfreundschaft annehmen, oder würde dann vom Abenteuer nur noch Bequemlichkeit bleiben? Bei weiblichen Klienten zog er klare Grenzen: Seine Frau wartete zu Hause und die Reise war mit ihr abgesprochen worden. Ohne ihre Zustimmung hätte er das Projekt nicht begonnen. Bei allen anderen musste es ein eigenes, ruhiges Zimmer sein; andernfalls buchte er ein Hotel. Nicht immer passten Uhrzeiten und Entfernungen zwischen Klienten und Bahnhöfen zur Nutzung eines Nachtzuges.
Ein Hotelzimmer garantierte ihm außerdem Ruhe und ein eigenes Badezimmer. Manchmal blieb er auch zwei Nächte vor Ort und plante die Einzelsitzungen entsprechend. Mehrmals monatlich kehrte er nach Hause zurück. Das vertraute Kopfkissen neben seiner Frau rief nach ihm und er vermisste seine Hunde. Private Verpflichtungen, wie Geburtstage, konnten nicht vermieden werden und boten willkommene Abwechslung. Obwohl er nie von seinen Reisen erzählen wollte, wurde er auf jeder Veranstaltung darauf angesprochen. Und sobald er von den Abenteuern berichtete, hingen seine Zuhörer gebannt an seinen Lippen.
Durch sein Bahnabenteuer entstanden auch ständig neue Kontakte, was wiederum zu neuen Terminen führte. Sogar Bahnreisende, die ihn im Internet entdeckt hatten, erkannten ihn gelegentlich. Eine einzigartige Begebenheit jedoch rührte ihn nachhaltig: In der Lounge der Deutschen Bahn in Frankfurt am Main beobachtete er einen Mann, der starr auf seinen Kaffee blickte. Plötzlich kontaktierte seine verstorbene Ehefrau Jesus Lopez und bat darum, ihrem Mann eine Botschaft zu übermitteln. Ohne ein Wort schob er dem Ehemann eine Karte zu.
Der Mann blickte zunächst skeptisch, las dann: „Sie trauern um Ihre Frau. Sie zeigt mir gelbe Rosen.“
Der Fremde brach in Tränen aus und umarmte ihn. Später gestand er:
„Heute ist ihr Todestag. Gelbe Rosen waren ihre Lieblingsblumen.“
In diesem Augenblick wusste Jesus Lopez: Diese ganze Reise war für diesen heiligen Moment geschehen.
Nach drei Monaten hatte er über 20.000 Kilometer zurückgelegt und hat vielen Menschen geholfen. Nun war er froh, wieder zu Hause zu sein. Doch schon keimte eine neue Idee: Wie wäre es, mit einem umgebauten Wohnmobil durch Deutschland zu reisen und neue Klienten zu behandeln?
Wer reist, findet sich selbst aufs Neue. Die Wege sind die unsichtbaren Linien der Vorsehung, die dich durch Täler des Zweifels und über Berge der Erkenntnis tragen. Du glaubst, du durchquerst Länder, doch in Wahrheit durchquerst du dich selbst. Jeder Tunnel, den du befährst, ist ein Stück Dunkelheit, das du in Licht verwandelst. Es gibt kein Ziel. Nur die ewige Fahrt. Die wertvollsten Dinge im Leben hinterlassen keine sichtbaren Spuren.
Am 1. September 2025 erscheint The Healer Jesus Lopez Nr. 29: Hier enthüllt der Heiler Jesus Lopez, wie er als Kind im Schatten einer Pyramide aufwuchs.










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Ina (Sonntag, 03 August 2025 16:26)
Das hört sich echt spannend an. Einfach in einen Zug steigen und los geht die Fahrt.
Ohne Tiere und andere Verpflichtungen würde ich einfach drauffosfahren und Gott und die Engel bitten die passenden Klienten als Sitzunachbaren zu mir zu bringen. Heilsitzungen im Zug, finde ich spannend.
Eine Heilungsreise oder ein Geistheilungstag auf Tour, in einem eigenen Zugabteil mit Heilsessions und Meditationen, unterwegs zu Kraftorten oder heiligen Bäumen oder Wäldern, dort die Energien als Unterstützung für alle Teilnehmer in Kombination mit Heilsessions wirken lassen... wäre schön toll.
Wenn du das als spirituelle Urlaubsreise mach würdest, dann bin ich dabei.
Vielleicht mache ich das irgendwann einmal selbst.�
Herzliche Grüße, �☀️�
Jesus (Sonntag, 03 August 2025 17:38)
Liebe Ina,
vielen Dank für deine kreative Idee! Eine dreimonatige Bahnreise mit bis zu 20 Heilern, einer eigenen WhatsApp-Gruppe und individuellen T-Shirts von "The Healer Jesus Lopez" klingt sicherlich nach einem besonderen Abenteuer. Allerdings ist das nichts für mich.
Falls aber jemand die Bahn-Idee der Comicstory für sich selbst aufgreifen und verwirklichen möchte, würde ich mich sehr darüber freuen! Es gibt viele Menschen, die inspirierende Reisen organisieren. Mir sind aber bisher keine Heiler oder Heilerinnen bekannt, die genau so etwas umgesetzt haben. Vielleicht ist das ja deine Chance? �
Übrigens, falls du auf der Suche nach einem Baum-Kraftort bist, google nach „Marieneiche Decke Boom“. Es könnte dich interessieren.
Ich wünsche dir einen wunderschönen, erholsamen Restsonntag!
Andreas (Sonntag, 03 August 2025 19:30)
Wow das wäre mal ein Abenteuer und bring bestimmt auch eine Menge an Spaß und sehr viel Erfahrung. Vor allem an Erfahrung mit der Deutschen Bahn…..
Und es ist eine Möglichkeit viele verschiedene Menschen kennenzulernen mit denen man so wahrscheinlich keinen Kontakt hat.
Peregrine (Sonntag, 03 August 2025)
Ich versuche mir vorzustellen wie es on board wäre und ob eine ganze Gruppe dann irgendwelches technisches Chaos verursacht - ungewollt, aber wenn's gut läuft.... :-D
Die Idee als reisender Heiler finde ich voll schön, weil es viele Menschen gibt, die sich aus verschiedenen Gründen nicht selbst auf den Weg machen können.
Und die Hundegeister auf dem Comic Cover kommen mit auf Reise, als Kraftenergie für Herz und Hand vielleicht. Der mit dem Schuh ist süß!
Und ich mag die Farben in diesem Comic Cover.
Jesus Lopez (Sonntag, 15 Februar 2026 11:16)
Lustig: Das Outfit habe ich mir erst vor Kurzem zugelegt. Während der Entstehungsphase des Comiccovers war es überhaupt nicht eingeplant. Das ist Andrea und mir erst heute beim Frühstück bewusst geworden.
Jesus Lopez (Sonntag, 15 Februar 2026 11:41)
Frage einer Leserin, warum das Comiccover dieses Mal nicht ganz zur Geschichte passt:
Ich benötigte neue Impulse für meinen Illustrator. Und weil mir unsere Hunde am Herzen liegen, wollte ich sie unbedingt auf dem Cover sehen. Also entstand zunächst die Idee, eine Geschichte über Geistheilung bei Tieren zu schreiben.
Doch die ursprüngliche Idee erschien mir zu eindimensional. Die Idee mit der Bahnreise hatte ich schon lange zuvor. Ich hatte sie aber aus verschiedenen Gründen verworfen. Aber die Idee sollte in die Welt hinaus. Und vielleicht inspiriert die Geschichte jüngere Heiler, diesem Impuls zu folgen, eine solche Bahnreise anzutreten.
Die Hunde blieben, aber sie rückten an eine andere Stelle der Geschichte. Nicht mehr im Mittelpunkt, sondern als leiser, vertrauter Teil meines Lebens. Lucky und Chico begleiten mich weiterhin durchs Leben. Carlos hingegen, der meine Schuhe mehr liebte als ich selbst, fehlt. Sein Platz ist geblieben, nur er ist es nicht mehr.
Jochen Remmele (Donnerstag, 30 April 2026 13:31)
Einige meiner Klienten hatten mir erzählt, dass die Fahrt nach Hause nach einer Sitzung anstrengend gewesen sei da der Körper einfach Ruhe wollte. Teilweise haben auch manche einen Fahrer der auf sie wartet.
Inspiriert von dieser Geschichte habe ich die Idee aufgegriffen und meinen Klienten angeboten, dass ich auch gerne nach Hause zu ihnen komme, wenn sie drei bis vier Menschen organisieren, die auch eine Anwendung haben möchten. Mir wurde dann ein Raum in der Wohnung bereitgestellt in dem ich ungestört für alle Einzelsitzungen geben konnte. Diese Möglichkeit wird mittlerweile von vielen angekommen und ich mache sozusagen Hausbesuche für einem Tag und gebe dort Einzelsitzungen für drei bis vier Klienten. Mittlerweile mache ich das mehrmals im
Monat.
Zudem gibt es auch Menschen die sehr gerne zu einer Sitzung kommen würden, denen der Weg aber zu weit ist oder es aus gesundheitlichen Gründen nicht möglich ist. Somit ist es auch möglich, dass sie eine oder mehrere Sitzungen bei mir buchen können.
Danke für die inspirierende Geschichte
Jesus Lopez (Freitag, 01 Mai 2026)
Lieber Jochen,
vielen lieben Dank für deinen Kommentar und dafür, wie dich die Geschichte inspiriert hat. So wünsche ich es mir bei dieser Geschichte.
Du greifst drei echte Bedürfnisse auf: zum einen die körperlichen und mentalen Nachwirkungen nach einer intensiven Sitzung, die Hürde durch die Anfahrt und die gesundheitlichen Einschränkungen.
Manchmal führt uns das Leben auf neue Wege, an die wir nicht gedacht haben. Ich finde es toll, dass du flexibel auf Lebensrealitäten reagierst. Ich freue mich auf weitere Erlebnisse von dir. Weiterhin alles Gute!